Band II

Tot auf dem Golfplatz

Ein kleiner Auszug

Nebel lag über dem Grün. Dichter Morgennebel, der alles verschluckte – die Fairways, die Bäume am Rand, die Silhouette des Clubhauses in der Ferne. Nur die Fahne am neunten Loch war zu sehen. Rot. Wie ein Warnsignal.

Der Greenkeeper hatte ihn gefunden. Um kurz nach sechs, wie jeden Morgen auf seiner Runde. Erst dachte er an einen Betrunkenen. Jemand, der nach dem Clubabend den Weg nicht mehr gefunden hatte. Es wäre nicht das erste Mal gewesen.

Aber dann sah er das Blut.

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Kramer parkte am Haupteingang. Der Golfclub Niederrhein – gegründet 1923, Mitgliedschaft auf Einladung, Warteliste drei Jahre. Ein Ort für Menschen, die es geschafft hatten. Oder die so taten, als ob.

Der Tote war Dr. Werner Kessler. Notar. Fünfundsechzig Jahre. Handicap 12. Jeden Dienstag und Donnerstag auf dem Platz. Frühaufsteher. Einzelgänger.

Jemand hatte ihn mit seinem eigenen Schläger erschlagen. Einem Eisen 7. Das Blut war bereits getrocknet, der Nebel hatte sich gelichtet. Nur der Geruch blieb. Nach nassem Gras und nach etwas anderem.

„Kannten Sie ihn?", fragte Kramer den Clubmanager.

Der Mann zögerte. Eine Sekunde zu lang.

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