Band III
Schützenfest
Ein kleiner Auszug
Musik dröhnte über den Festplatz. Blasmusik, Kirmes-Schlager, das Kreischen der Karussells. Drei Tage im Jahr wurde Reelsen laut. Drei Tage, in denen das Dorf feierte. Tradition. Bier. Gemeinschaft.
Und dieses Jahr: ein Toter.
Sie hatten ihn hinter dem Schießstand gefunden. Zwischen leeren Bierkästen und dem Generator, der die Lichter der Losbude speiste. Heinrich Völkers. Einundfünfzig Jahre. Schützenbruder. Vereinskassier.
Kramer kannte das Fest. Kannte die Gesichter. Kannte die Rituale – den Königsschuss, den Fackelzug, die durchzechten Nächte. Er war hier aufgewachsen, bevor er wegging. Bevor er dachte, er käme nie zurück.
„Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?"
Der Schützenkönig, noch in voller Montur, starrte auf seine Hände. „Gegen Mitternacht. Beim Fassanstich. Da war er noch..."
„Noch was?"
Schweigen. Dann: „Betrunken. Wie alle."
Kramer nickte. Aber Völkers war nicht betrunken gestorben. Der Bluterguss am Hinterkopf sprach eine andere Sprache. Eine, die nichts mit Tradition zu tun hatte.